Eine kleine Einführung

„Mit Unterstützter Kommunikation werden alle pädagogischen und therapeutischen Hilfen und Maßnahmen bezeichnet, die Personen ohne oder mit erheblich eingeschränkter Lautsprache zur Verständigung angeboten werden.“ (Wilken 2002,3)   Folglich umfasst Kommunikation sehr viel mehr als die motorische Fähigkeit des Sprechens – mehr als Lautsprache.

In der Unterstützten Kommunikation (UK) wird unterschieden zwischen
  • Körpereigenen Kommunikationsformen :

Atmung, Tonus, Mimik, Gestik, Blickbewegungen, Zeigen, Körper-haltung, Laute / Lautsprache, Ja / Nein-Zeichen, Gebärden
und

  • Externen Kommunikationsformen:

Nicht-elektronische Hilfen
reale Gegenstände, Spielzeug, Fotos, Bilder, Wortkarten, Tagebücher, Kommunikationstafeln und –ordner
und

Elektronische Kommunikationshilfe
Taster, Schalter, BIGmack, GoTalk, komplexe Geräte mit natür-licher oder synthetischer Sprachausgabe, PCs, Tablets und entsprechende Software.

Es wird in der Unterstützten Kommunikation stets ein multimodales Kommunikations-System angestrebt. Dabei werden sowohl die bereits beim Menschen vorhandenen, als auch sämtliche möglichen Kommunikationsformen berücksichtigt.

Funktionen des Gebärdens
  • Sprachunterstützende Funktion
    Bei Menschen mit einer geistigen Behinderung ist die Lautsprache oft undeutlich und wenig differenziert. Das Gebärden dient hier als expressives Hilfsmittel.
  • Sprachanbahnende Funktion
    Durch die Vermittlung des Gebärdens werden das Sprachver-ständnis, die Begriffsbildung und der expressive Sprachgebrauch gefördert, z. Bsp. bei Kindern mit Down Syndrom.
  • Sprachersetzende Funktion
    Für Menschen, die aufgrund ihrer Behinderung keine Lautsprache erlernen können, benötigen eine geeignete Alternative, um kommunizieren zu können.
Methoden des Gebärdeneinsatzes

Es wird zwischen verschiedenen Methoden des Gebärdeneinsatzes unterschieden:

  • Unter den gehörlosen Menschen in Deutschland ist die Deutsche Gebärdensprache (DGS) am weitesten verbreitet. Diese hat eine eigene linguistische Struktur, wird ohne Sprache, aber mit Mundbild verwendet. DGS ist als eigenständige Sprache anerkannt.
  • Bei den lautsprachbegleitenden Gebärden (LBG) wird das Gesprochene Wort für Wort mit gebärdet und folgt der Sprache in Grammatik und Syntax.
  • Bei den lautsprachunterstützenden Gebärden (LUG) werden nur die sinntragenden Schlüsselwörte eines gesprochenen Satzes gebärdet (keine Artikel, keine Fürwörter….).
    Beispiele: Da ist eine Blume.
    Papa 
    hatte einen Unfall. Jetzt ist das Auto kaputt.
    Meine Mama hat morgen Geburtstag.

Für Menschen mit einer geistigen Behinderung und Hörsprachbeeinträchtigung werden die Gebärden aus der Sammlung „Schau doch meine Hände an“ in der Regel lautsprachunterstützend eingesetzt. Dieser Personenkreis ist durch die linguistische Struktur der DGS und auch durch die hohe Anzahl an verwendeten Gebärden in einem Satz bei den lautsprachbegleitenden Gebärden kognitiv überfordert.

Durch den simultanen Gebrauch von Gebärde und gesprochenem Wort wird nicht nur die Satzstruktur, sondern auch die Artikulation, Satzmelodie und das Sprechtempo verändert. Die Aussprache wird durch das langsamere und bewusste Sprechen deutlicher. Dieser Umstand kann sowohl das Sprachverständnis, als auch die Lautsprachentwicklung der betroffenen Person positiv beeinflussen. Die überschaubaren Satzeinheiten kommen dem kognitiven Leistungsvermögen eines Menschen mit geistiger Behinderung entgegen. (U: Belli Lernen konkret 3/2004, S. 6)

Eine Vereinfachung der Gebärden der DGS, wie es bei „Schau doch meine Hände an“ der Fall ist, eröffnet zahlreichen Menschen mit geistiger Behinderung eine geeignete Form der Kommunikation, sofern folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Bedürfnis nach Austausch und Kommunikation
  • Optisches und taktiles Unterscheidungsvermögen
  • Fähigkeit zur Nachahmung
  • Ausreichende Bewegungsfähigkeit
  • Symbolverständnis
  • Bezugspersonen, die Gebärden verwenden
Einen Gebärdensprachraum schaffen

Damit die Gebärdenden nicht unter sich isoliert bleiben, ist es wichtig, dass sich für diese Menschen ein Sprachraum entwickelt, in dem möglichst viele Menschen gebärden können. Nur dann ist die häufig zitierte Teilhabe der Menschen mit Behinderungen in verschiedenen Lebensbereichen gegeben. Also nicht nur Lehrer, Erzieher, Betreuer und Therapeuten sollten über Gebärden-Kompetenz verfügen, sondern auch Eltern, Familienmitglieder und Angehörige, Mitschüler und Freunde. Besonders hervorzuheben ist hierbei die Bedeutung individueller Namensgebärden. Diese ermöglichen den Nichtsprechenden ihre Gesprächspartner mit Namen anzusprechen und erleichtern außerdem die gesamte Orientierung in ihrem Lebensumfeld.

Quellen:
Gebärdensammlung „Schau doch meine Hände an“
ISBN 978-3-938306-11-6

Kristen, Ursi: Praxis Unterstützte Kommunikation 2002
ISBN 3-910095-23-2

Belli, U: Zeitschrift Lernen Konkret 3/2004, S. 6

Lautsprachunterstützende Gebärden

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: