Die meisten Formulare, Briefe von Behörden, Arztberichte, Internetseiten, Flyer und Broschüren, auch Zeitungsartikel und andere Texte bestehen aus zahlreichen schwierigen Wörtern, langen Sätzen mit Nebensätzen und vielen Kommas. Aus diesen Gründen hören viele Menschen einfach auf zu lesen – es wird ihnen tagtäglich bewusst, dass sie solche komplexen Inhalte einfach nicht nachvollziehen können.

Es gibt zwei Methoden, mit denen es möglich ist, schwer verständliche Texte auf eine  besser zu verstehende Art zu präsentieren:

Die Einfache Sprache wendet sich vor allem an Menschen mit wenig Leseerfahrungen. Das können Menschen sein mit einer fremden Muttersprache, mit funktionalem Analphabetismus, Menschen ohne Schulabschluss oder mit niedriger Bildung. Texte, die in Einfacher Sprache geschrieben werden, kommen ohne Fremdwörter aus oder diese werden auf verständliche Weise erklärt.
„Die Sätze umfassen nicht mehr als 15 Wörter und es sollte höchstens ein Komma pro Satz enthalten sein. Texte, die in Einfacher Sprache verfasst sind entsprechen dem „Leseniveau A2/B1″. Texte im täglichen Leben sind oft so schwierig, dass viele Deutsche sie nicht verstehen. Betriebe und Behörden schreiben oft auf dem Niveau C1. Dabei können noch nicht einmal 10% der Bevölkerung dieses Niveau verstehen.“ (Zitat „Klar & Deutlich„, Agentur für Einfache Sprache)

Die Methode der Leichten Sprache kommt ursprünglich aus der Behindertenhilfe – Menschen mit und ohne Lernschwierigkeiten haben die Leichte Sprache entwickelt – und diese hilft Menschen, die fast gar nicht lesen können. Das sind zum Beispiel Menschen mit einer geistigen Behinderung, Menschen mit funktionalem Analphabetismus oder Menschen, die an Demenz erkrankt sind. In Texten, die in Leichter Sprache verfasst sind, stehen nur die wichtigsten Aussagen in kurzen Sätzen mit einfachen Wörtern. Fremdwörter werden dabei grundsätzlich vermieden. Texte in Leichter Sprache verfasst entsprechen dem „Sprachniveau A1“.

Das Regelwerk der Leichten Sprache wird von dem seit 2006 bestehenden Netzwerk Leichte Sprache herausgegeben, dieses Netzwerk ist seit 2013 in einem Verein zusammen geschlossen. Die Leichte Sprache umfasst neben Sprachregeln auch Rechtschreibregeln. Auf dieser Internetseite findet man das ausführliche Regelwerk zur Leichten Sprache: http://www.leichtesprache.org

Ganz besonders interessant finde ich die auf der Internet-Seite genannten Broschüren, die bereits in Leichte Sprache umgeschrieben wurden. Es gibt dabei Themenbereiche zu Partnerschaft und Familie, Gesundheit, Recht und Politik. Außerdem findet man einige Bücher mit Geschichten in Leichter Sprache verfasst. Weitere Literatur in Leichter Sprache steht auf folgender Internetseite:
https://www.lebenshilfe.de/de/leichte-sprache/
Auf dieser Internetseite gibt es außerdem ein umfangreiches alphabetisch sortiertes Lexikon, das schwere Wörter leicht erklärt, zum Beispiel das Wort Abo:

Abo ist die Abkürzung für Abonnement.
Das ist ein französisches Wort.
Es bedeutet: Etwas bestellen, das man dann regelmäßig bekommt.
Zum Beispiel: Man kann eine Zeitschrift abonnieren.
Dann bekommt man sie regelmäßig nach Hause geschickt.“
(Zitat vom 19.04.2015: https://www.lebenshilfe.de/de/leichte-sprache/woerterbuch/index.php)

 

Was sind „Sprachniveaus„?

Es gibt den gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen (GER), der sechs unterschiedliche Kompetenzstufen (=Niveaus) umfasst. Dadurch sollen verschiedene europäische Sprachzertifikate untereinander vergleichbar gemacht werden. Diese Niveaus helfen schließlich auch bei der Verdeutlichung von Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben und Verstehen von Texten.

Die Niveaustufen des GER:
„Die grundlegenden Level sind:
A: Elementare Sprachverwendung
B: Selbstständige Sprachverwendung
C: Kompetente Sprachverwendung“
(Zitat 19.04.2015: http://www.europaeischer-referenzrahmen.de/)

Diese sind nochmals in insgesamt 6 Stufen des Sprachniveaus unterteilt. Es folgt hier eine verkürzte Zusammenfassung:

A1/A2:
Auf diesen beiden Stufen können einfache alltägliche Ausdrücke, bzw. einfache, kurze Sätze nachvollzogen oder gesprochen werden. Mögliche Inhalte sind z. Bsp. konkrete Bedürfnisbefriedigung, Informationen zur Person und Familie, Themen zum Einkaufen oder zur beruflichen Ausbildung und zur Arbeit.

B1:
Wenn klare Standardsprache verwendet wird, werden auf dieser Stufe vertraute Themen aus Arbeit, Schule, Freizeit verstanden.

B2:
Auf dieser Ebene ist eine spontane und fließende Verständigung möglich. Auch komplexere Texte werden verstanden. Dabei können Vor- und Nachteile zu verschiedenen Themen erkannt werden.

C1:
Der Ausdruck ist insgesamt spontan und flüssig möglich. Der Wortschatz ist komplex und es werden anspruchsvolle und lange Texte verstanden. Sprache kann im Beruf und in der Gesellschaft sehr umfassend gebraucht werden.

C2:
Auf dieser Ebene kann die Person alle Texte, bzw. alles Gehörte verstehen und verschiedenste Informationen zusammenfassen, begründen und wiedergeben. Der persönliche Ausdruck ist spontan möglich und sehr genau.

Quellen:
1. Ralf Beekveldt – Geschäftsführer der Agentur für Einfache Sprache, Internetseite vom 14.04.2015: http://www.klarunddeutlich.de
2. Tanja Kuntz, Torsten Pankok, Peter Churchus: Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmen,
Internetseite vom 14.04.2015: http://www.europaeischer-referenzrahmen.de/
3. http://de.wikipedia.org/wiki/Leichte_Sprache
4. https://www.lebenshilfe.de/de/leichte-sprache/

 

 

Leichte Sprache oder Einfache Sprache? – Unterschiede –
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