In der nächsten Zeit werde ich einzelne Programme (Apps) für Handys und Tablet-PCs vorstellen, die im Rahmen von Unterstützter Kommunikation eingesetzt werden können. Diese verleihen nicht- oder wenig sprechenden Menschen eine Stimme und machen Kommunikation in allen Lebensbereichen möglich.

App LetMeTalk 1

LetMeTalk

Bei ZEIT-ONLINE wird in einem Artikel vom 7. Mai 2014 geschildert, aus welcher Idee das Programm LetMeTalk entstanden ist. Die Mutter eines autistischen Jungen, Doreen Kröber entschließt sich dazu, für ihren Sohn eine App zur Kommunikation zu entwickeln, die nicht so teuer ist, wie die meisten bereits vorhandenen Apps. Gemeinsam mit anderen Freiwilligen machte sie sich an die Arbeit und entwickelte die App LetMeTalk. Ihr Sohn Max hat dabei mitgeholfen und Kategorien, bzw. die einzufügenden Bildsymbole mitbestimmt.

Der gesamte Artikel kann hier nachgelesen werden.

Diese App wird durch Spenden finanziert, daher kann sie zum kostenlosen Download bei Google Play, im App Store von iTunes und bei Amazon angeboten werden. LetMeTalk bietet die Möglichkeit, Bilder sinnvoll aneinander zu reihen und diese Bilderreihe dann als Satz vorzulesen. Das Aneinanderreihen von Bildern (Fotos, Bildsymbole) ist eine Methode der Unterstützen Kommunikation/UK  (AAC – Augmentative and Alternative Communication).

Die Bilder-Datenbank umfasst mehr als 9000 einfach zu verstehende Bildsymbole von ARASAAC. Zusätzlich können auf dem Gerät eigene vorhandene Bilder  hinzugefügt oder direkt mit der  Kamera des Smartphone oder Tablet  erstellt werden.

Laut Hersteller-Team ist die App geeignet für Menschen mit

• Autismus oder bei Autismus-Spektrum-Störungen
Aphasie
• Apraxie, insbesondere Sprechapraxie
• Sprachstörung / phonologische Störung
• Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)
• Motor-Neuron-Disease (MND)
• Infantile Zerebralparese
• Down-Syndrom (Trisomie 21)

Besondere Merkmale dieser App

• über 9000 mitgelieferte Bilder von ARASAAC
• Sprachausgabe von Bildern, Vorlesen von zusammengesetzten Bildern
• unbegrenzt neue Kategorien erstellen und eigene Bilder hinzufügen
• vorkonfiguriert für Kinder mit Autismus (ASD)
• Sprachausgabe der Bilder auf Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch und Italienisch (weitere Sprachen möglich)
• Weitere Übersetzungen ohne Sprachausgabe: Chinesisch, Portugiesisch, brasilianisches Portugiesisch, Arabisch, Russisch, Polnisch, Bulgarisch, Rumänisch, Galizisch, Katalanisch, Baskisch

Für die Benutzung von LetMeTalk ist kein Internetzugang oder Mobilfunkvertrag nötig. Dadurch ist LetMeTalk in fast jeder Situation einsetzbar, wie zum Beispiel in der Freizeit, im Krankenhaus, in Pflegeeinrichtungen oder Schulen.
Vor der ersten Benutzung lädt LetMeTalk ein kostenloses Datenpaket mit allen Bildern herunter (ca. 70MB).

Sie finden Tutorials in englischer Sprache unter http://letmetalk.info/support.html

Meine Erfahrungen mit verschiedenen Nutzern

Die Anwendung der App ist wirklich einfach und kann nach dem Download direkt ausprobiert werden, ohne umfangreiches Nachlesen in einer Anleitung. Ergänzungen durch weiteres Hinzufügen von  Bildern aus der mitgelieferten Sammlung oder von eigenen Fotos ist schnell möglich: das Pluszeichen oben rechts auf dem Bildschirm antippen. Auf diese Weise können auch weitere Kategorien angelegt werden. Auch der Zugriff auf die Kamera ist über dieses Pluszeichen gegeben. Unter dem Rad-Symbol in der unteren linken Ecke des Bildschirms stehen verschiedene Einstellmöglichkeiten zur Sprache, Sprachausgabe, zu Sicherheitskopien und zur Größe der Bilder.
Durch Antippen erscheinen die einzelnen Bilder in der Satzleiste und werden direkt gesprochen. Sie können nach Belieben durch nochmaliges Antippen  erneut gesprochen werden. Die gesamte Wiedergabe aller Wörter in der Satzleiste durch nur einen Tipp ist nicht möglich. Durch Antippen des Mülleimer-Symbols unten rechts auf dem Bildschirm kann jeweils das letzte Bild der Reihe gelöscht werden.
Eine Anwendung von Grammatik ist in dieser App nicht vorgesehen, z. Bsp. stehen die Verben immer in der Grundform meist als erstes Bild in der jeweiligen Kategorie. Sie lassen sich nicht beugen, z. Bsp. bei „ich esse, Mama isst“ oder „ich möchte…, was möchtest du?“ oder „ich schlafe, du schläfst, Papa schläft…“.  Das darf den Nutzer, bzw. auch den Gesprächspartner nicht stören – schließlich geht es darum, überhaupt etwas äußern zu können, bzw. dies zu erlernen!
Auf der Startseite steht an erster Stelle die Kategorie „Satzbau“ mit Wörtern wie z. Bsp. „ich“, „kann ich nicht“, „ich brauche Hilfe“, „doch“, „ja“, „nein“, „ich möchte nicht“ und weiteren Wörtern aus dem Kernvokabular. Diese sind auf jeden Fall sehr sinnvoll und ermöglichen spontane kurze Äußerungen.
Die Anordnung der Kategorien auf der Startseite und der einzelnen Bildsymbole innerhalb der Kategorien kann nicht auf einfachem Weg, nämlich durch Verschieben geändert werden. Neue Bilder werden immer hinten angefügt. Soll diese Reihenfolge geändert werden, müssen alle gelöscht und in der gewünschten Reihenfolge erneut eingefügt werden.

Insgesamt gesehen ist die App LetMeTalk am ehesten für Kommunikationsanfänger geeignet. Aber auch in Schulen oder Beratungsstellen kann sie zum Einsatz kommen, um mit Einzelpersonen das vorhandene Vokabular zu erproben, weitere eigene Seiten zu erstellen und die gesamte Anwendung der App über einen gewissen Zeitraum zu testen. Danach kann gemeinsam im Team  überlegt werden, in welcher Richtung eine weitere kommunikative Entwicklung der Person möglich sein könnte.

Link aktualisiert am 10.08.2015:
http://letmetalk-app.blogspot.de/

 

LetMeTalk – eine kostenlose App zur Kommunikation

2 Gedanken zu „LetMeTalk – eine kostenlose App zur Kommunikation

  • 9. August 2015 um 11:30
    Permalink

    Liebe Ute,

    du hast einige Anwenderfehler, als Fehler der App bzw. als fehlende Funktion beschrieben:

    „Die gesamte Wiedergabe aller Wörter in der Satzleiste durch nur einen Tipp ist nicht möglich.“

    Natürlich ist das möglich: In der Navileiste befindet sich ein Abspielbutton, der sogar in verschiedenen Größen angezeigt werden kann.

    „Die Anordnung der Kategorien auf der Startseite und der einzelnen Bildsymbole innerhalb der Kategorien kann nicht auf einfachem Weg, nämlich durch Verschieben geändert werden.“

    Natürlich ist das möglich: Lange auf das Bild oder die Kategorie drücken, dann erscheint ein Kontextmenü. Das Verschieben nennt sich: Position ändern.

    Bitte ändere auch den Link zur Website der App und ich würde niemandem empfehlen zu Spenden, da bis heute die Offenlegung nicht erfolgt ist und das Projekt beendet wurde.

    LG Doreen Kröber

    Antworten
    • 10. August 2015 um 16:16
      Permalink

      Hallo Doreen, vielen Dank für Deinen Kommentar! Gerne lerne ich dazu und freue mich, wenn durch mich bemängelte Funktionen schließlich doch vorhanden sind! Meine Erfahrungen beziehen sich auf die erste App für Apple iOS Geräte.

      Antworten

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