Schau doch meine Hände an
Durch den simultanen Gebrauch von Gebärde und gesprochenem Wort wird nicht nur die Satzstruktur, sondern auch die Artikulation, Satzmelodie und das Sprechtempo verändert. Die Aussprache wird durch das langsamere und bewusste Sprechen deutlicher. Dieser Umstand kann sowohl das Sprachverständnis, als auch die Lautsprachentwicklung der betroffenen Person positiv beeinflussen. Die überschaubaren Satzeinheiten kommen dem kognitiven Leistungsvermögen eines Menschen mit geistiger Behinderung entgegen.
(U: Belli Lernen konkret 3/2004, S. 6)

Einige wichtige Grundregeln für den Einsatz lautsprachunterstützender Gebärden

Mit Hilfe von Gebärden wird ein Satz nicht Wort für Wort übersetzt, sondern der Inhalt einer Aussage dargestellt.

Hilfreich für das Verständnis des Gegenübers kann es sein, wenn man bestimmte Inhalte vorbereitet, z.B. „Ich spreche jetzt von den Ferien.“ Dieses erleichtert das Verstehen von vorneherein.

ichsprechen
jetzt
Ferien

Beim lautsprachunterstützenden Gebärden beschränkt man sich auf das Darstellen der sinntragenden Wörter eines Satzes (keine Artikel, keine Fürwörter….).
Zum Beispiel:
Da ist eine Blume.

da, hierBlume
Papa
hatte einen Unfall. Nun ist das Auto kaputt.

PapaUnfall

Autokaputt

Beim Einsatz von Gebärden ist darauf zu achten, dass die Gebärde synchron zum entsprechenden Wort eingesetzt wird. Dies ist besonders wichtig, wenn das Gegenüber hörend ist.

Es sollten, wenn möglich nur Hauptsätze, keine Nebensätze gebildet werden, d.h. lange „Schachtelsätze“ müssen in mehrere, kürzere Sätze zergliedert werden.

Zum Beispiel:
Vorgegebener Inhalt: „Teilen Sie der Gruppe mit, dass ihre Mama morgen Geburtstag hat und sie dazu noch einen Kuchen backen und Blumen kaufen müssen, außerdem dürfen sie nicht vergessen, noch Frau Müller anzurufen, um sie zum Geburtstag einzuladen.“

So könnte dieser Inhalt umgesetzt werden:

Meine Mama hat morgen Geburtstag.

meinMutter
morgen
Geburts-Tag
Ich
muss noch für Mama einen Kuchen backen und Blumen kaufen.

ichMutter

Kuchenbacken

Blume kaufen
Ich
darf nicht vergessen, Frau Müller anzurufen.

ichnichtvergessen

FrauBuchstabe Mtelefonieren

Frau Müller sagen: „Bitte komm morgen zu Mamas Geburtstag.“

FrauBuchstabe Msagen

bittekommenmorgen

MutterGeburts-Tag

Wörter, die in einer Gebärdensammlung nicht zu finden sind, müssen oft umschrieben werden, wie hier zum Beispiel „einladen“ = „Bitte komm zu Mamas Geburtstag.“

Zwischen einzelnen Sätzen sollte man immer wieder eine Pause machen, um durch Blickkontakt oder Nachfragen abzuklären, was und wie das vorher Gesagte/Gebärdete verstanden wurde.
Auch kann es für das Gegenüber hilfreich sein, wenn der vorherige Satz noch einmal wiederholt wird.

Hauptwort und Tätigkeitswort sind in der Regel identisch.
Zum Beispiel:  das Essen – essen, der Schlaf – schlafen

Die Grundaussage steht immer in der Gegenwartsform. Zeitbestimmungen, wie Zukunft oder Vergangenheit werden durch das Anfügen genauer oder unbestimmter Zeitangaben zum Ausdruck gebracht. zum Beispiel:
Eine Woche warten, dann ist Weihnachten.“
„Bald
sind Ferien.“

eins, eineWoche
wartenWeihnachten

baldFerien

Frage- und Befehlssätze werden durch entsprechende Mimik und Gestik als solche gekennzeichnet, oder aber durch den Gebrauch von Fragewort-Gebärden.
Zum Beispiel:
Wo ist Mama?“ „Komm schnell!“

woMutter
kommenschnell

Die Mehrzahl wird durch das Anhängen bestimmter oder unbestimmter Zahlworte gebildet.
Zum Beispiel:
Ich habe viele Äpfel (Apfel).“ „Er hat drei Bälle (Ball).“

ichvielApfel

„er“ = in die Richtung zeigen    dreiBall

Fortsetzung folgt!
Ich freue mich auf Eure Rückmeldungen  –  Fragen und/oder Anregungen.

Methodisches zum lautsprachunterstütztem Gebärden

2 Gedanken zu „Methodisches zum lautsprachunterstütztem Gebärden

  • 18. Januar 2015 um 23:20
    Permalink

    vielen Dank für diesen ausführlichen Beitrag, da hast du dir viel Arbeit gemacht. Bin schon gespannt auf die Fortsetzung.

    Welche Apps kannst Du aus deiner langjährigen Arbeit zur Sprachanbahnung für Kinder mit Down Syndrom empfehlen ?

    Antworten
    • 19. Januar 2015 um 6:39
      Permalink

      Liebe Gudrun Graf, zur Sprachanbahnung empfehle ich in erster Linie Gebärden, ein persönliches Ich-Buch, Fotos und Bildsymbole. Mit dem iPad arbeite ich noch nicht so lange, als App auch zur Sprachanbahnung empfehle ich auf jeden Fall GoTalkNOW, die sehr vielseitig in der Anwendung ist, auch die Apps „Großes Bilderbuch“, Fiete, Lennart…
      Herzlichen Gruß
      Ute

      Antworten

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