Die ersten Gebärden

Bei der Auswahl der ersten Gebärden müssen wir beachten, dass wir uns am Alltag des Kindes, seinen Vorlieben und seinen Abneigungen orientieren. Jedes Kind hat einen individuellen passiven Wortschatz, den wir bei einem nicht- oder wenig sprechenden Kind mit viel Einfühlungsvermögen „erahnen“ müssen.

Die ersten Gebärden müssen interessant sein! Je eher sie das Interesse des Kindes trifft, umso schneller wird sie vom Kind verinnerlicht und angewendet werden.

Beispiele mit zwei Bildsymbolen von Annette Kitzinger

 

 

nochmal„Nochmal“

Fast jedes Kind hat diesen Wunsch und möchte das Wort äußern können. Zum Beispiel beim Seifenblasen-Spiel, bei Fingerspielen, Hoppe-Hoppe-Reiter oder beim Versteck-Spiel, auch beim gemeinsamen Anschauen eines Bilderbuches und anderen Spiel-Situationen.

fertig„Fertig“

Wenn eine Tätigkeit, ein Spiel beendet werden soll, das Kind keine Lust mehr hat weiter zu machen, dann ist die Gebärde „fertig“ wichtig.

Andere Kinder lieben es, beim Baden in der Wanne ein paar Gebärden zu üben:

Gebärden aus „Schau doch meine Hände an“

badenWasserspielen

Ente

1.Baden 2.Wasser  3.spielen 4.Ente

 

„Die ersten Gebärden sollten sein:

sehr interessant

und einfach auszuführen!“

(Allmuth Bober)

Kinder lernen Gebärden durch Nachahmung!

Je häufiger die Bezugspersonen ihre gesprochenen Sätze mit den sinntragenden Gebärden unterstützen, umso schneller wird das Kind Gebärden lernen! Jede Sprache wird durch Nachahmung gelernt, auch das Gebärden. Die Bezugspersonen können die Gebärden auch gemeinsam mit den Kindern lernen.

Erfolgserlebnisse steigern die Freude am Gebärden!

Jedes Kind gebärdet auf seine eigene Weise und das sollte anfangs so akzeptiert und nicht gleich korrigiert werden. Es ist beim Gebärden genauso, wie bei den ersten gesprochenen Wörtern. Erst wenn das Kind genügend Erfolgserlebnisse haben konnte, kann vorsichtig verbessert werden, indem der Erwachsene das entsprechende Wort spricht und dazu die Gebärde nochmals richtig vormacht.

Möglichst viele Bezugspersonen sollten Gebärden anwenden!

Kinder möchten mit verschiedenen Menschen, mit Erwachsenen und Kindern möglichst überall reden können. Das heißt, dass viele Personen im Umfeld des Kindes Gebärden erlernen sollten. Dies ist möglich, wenn das Kind seinen Gebärden-Wortschatz in einem Heft oder Ringbuch dokumentiert mit sich führen kann. Auch aufgehängte Gebärden-Plakate können beim Erlernen eine gute Hilfe sein. Ein Spiel- oder Singkreis mit jahreszeitlichen Themen bietet sich ebenso an: Lieder und Spiele werden mit Gebärden unterstützt – die Kinder und die Erwachsenen können dabei die Gebärden leicht lernen und haben Freude daran.

Sehr gut ist es auch, wenn mehrere Personen gemeinsam oder ein berufliches Team einen Gebärdenkurs besucht – das macht Spaß und es verbindet!

Am Anfang dem Kind helfen, die Gebärde zu fühlen!

Aller Anfang kann schwer sein! Gut ist es, wenn der Erwachsene anfangs dem Kind die Hände zur Gebärde führt – natürlich muss das Kind mit dieser körperlichen Berührung einverstanden sein. Diese Handführung kann Kindern mit Wahrnehmungs- oder Motorikproblemen eine gute Hilfestellung sein. Bei formbeschreibenden Gebärden (Ball, Haus, Baum) oder bei tätigkeitsnachahmenden Gebärden (trinken, essen, hören, telefonieren) kann das Umfahren der Gegenstände oder das Imitieren oder Spielen der Tätigkeit eine Hilfe sein.

In mehreren Alltagssituationen Gebärden gebrauchen!

Zum Beispiel beim An- oder Ausziehen, beim Essen und Trinken, auf dem Spielplatz, im Wald, beim Besuch der Großeltern… Besonders eigenen sich Situationen, die sich häufig wiederholen. Es können sich auch wiederkehrende Rituale entwickeln, z. Bsp. beim abendlichen Vorlesen einer Bilderbuchgeschichte oder beim Singen des Gute-Nacht-Liedes. Wichtig ist dabei, das Kind nicht von Anfang an mit zu vielen Gebärden zu überfordern! Manchmal ist auch eine einzige Situation ausreichend.

Gebärden soll Spaß machen!

Je mehr Spaß und Freude das Kind beim Gebärden hat, umso schneller wird es Gebärden lernen! Voraussetzung dabei ist, dass die Bezugspersonen durch ihr positives und empathisches Verhalten ein freudvolles spielerisches Handeln vorleben.

Quellen und Informationen:

Die Gebärdensammlung „Schau doch meine Hände an“ ISBN 978-3-938306-11-6
http://www.schau-doch-meine-haende-an.de/

Metacom-Symbole von Annette Kitzinger: www.metacom-symbole.de

Gebärdenunterstützte Kommunikation (GuK) von Etta Wilken, für Kinder mit Down-Syndrom: https://www.ds-infocenter.de/html/guk.html

Anmerkung: Der Grundwortschatz GuK 1 von Etta Wilken entspricht den Gebärden aus der Sammlung  „Schau doch meine Hände an“.

Wie können Kinder Gebärden lernen?

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